Demokratie neu erfinden

sinkende Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen

       Die steigende Unzufriedenheit im Land führt zu        sinkender Wahlbeteiligung in den Kommunen

"Mehr Demokratie wagen", lautet der bekannteste Willy-Brandt-Slogan. Nie war er aktueller und dringlicher als in dieser unserer Zeit. Helge Mühr hat ihn sich zu eigen gemacht. Leiden- schaftlich konfrontiert er damit die kommunalen Politiker und die Verwaltungen, zunächst in seiner hessischen Heimat.

Dabei ist das Menetekel offensicht- lich: Die Wahlbeteiligung ist auf kommunaler Ebene im bundes- deutschen Schnitt sukzessive auf 52,3 Prozent abgesackt. (Eine überzeugende Legitimation für die Bürgervertreter sieht anders aus.)
Im Gegenzug ist der Unmut im Land gewachsen, der sich zunehmend in Bürgerinitiativen Bahn bricht und wo dann – das Ursächliche komplett ausblendend – vom "Wutbürger" die Rede ist.    

Wer meint, Wutbürger seien sehr egoistische Menschen, die sich fragen:
"Was genau bringt mir das persönlich?" Und die, wenn sie keine Antwort finden,
zu einer Demonstration aufrufen, der irrt gewaltig.

Unterschriftenaktion war gestern

Neun von zehn Bürgern der Generation 50+ wünschen sich ein Mehr an kommunaler Mitsprache

Er ignoriert, dass sich bereits jeder Dritte in Deutschland ehrenamtlich engagiert. Und es könnten gut und gern doppelt so viele sein, wie jüngst eine Emnid-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ergeben hat. Wenn man ihnen mehr Mitsprache bei politischen Entscheidungen und größere Beteiligungsmöglichkeiten einräumen würde.

Dies fordern unter den Jüngeren 74 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen sogar 90 Prozent. Auch unter den Nichtwählern spricht sich eine über- wältigende Mehrheit (89 Prozent) für mehr Bürgerbeteiligung aus.

Niemals zuvor in der Geschichte war eine Partizipation der Bürger leichter zu organisieren, sprich ein Mehr an Demokratie und kommunalen Problemlösungen möglich, als heute, im Zeitalter des Internets.